Dieser Text handelt von meiner Abhandlung mit Willensstärke, Zukunftsangst und Alltagshass.
Oberflächlichkeit soweit das Auge reicht. Die Lüge ist weder schlecht, noch gut. Das ist eine ethische Diskussion und man sollte nicht alles von einem ethischen Standpunkt betrachten, weil man sich den Vorwand rausnimmt, dass es schließlich das Beste sei und langsam erblindet. Wenn ich Kunst mache, dann betrachte ich einen Scheißdreck ethisch, also lasse ich es im Leben mehr und mehr sein. Die Ernsthaftigkeit der deutschen Mentalität zwingt den Stock-Im-Arsch-Mann alles zu analysieren, strukturieren. Eine größere Therapie habe ich jedoch in der Kunst gefunden, wo man die größte Freiheit, eine der größten psychologischen Gesundheiten wiederfindet: Man selbst entscheidet was richtig und was falsch ist. Ich denke gewiss, dass es sowas gibt, und zwar in unserem Kopf. Wie soll man einen Strich fortführen, wenn man sich nicht sicher ist, ob dieser richtig oder falsch ist? Es ist also auch für den Erfolg mit sich selbst, der Zufriedenheit am gemalten Bild, an der erreichten Sache und dem Wohlfühlen in sich selbst bestimmend. Ich bin der festen Überzeugung, dass die beste Philosophie von einem glücklichen Künstler kommt und nicht von einer depressiven weisheitsstrebenden asketischen Möchtegern-Philosophen-Pussy.
Sprechen wir über den religiösen Kern meiner Weltanschauung. Wieso steckt so viel Unsicherheit in dem Wörtchen Hoffnung drin? Was hat man wenn man Hoffnung durch Unsicherheit teilt, die Unsicherheit also entfernt? Dann bleibt doch die Überzeugung, die Unsicherheit schadet nur, ich bin sogar der Meinung, dass man irgendwas falsch macht, dass irgendwas nicht stimmt, wenn man depressiv an irgendeine Hoffnung gebunden ist. Das Leben ist ein Brunnen oben ist das Ideal, das Bestimmte, der Himmel und unten das Unbestimmte, die Freiheit, christlich die Sünde, hahaha. Dieses Modell ist auf die Vorstellung eines Weges, nicht aller bestimmt. Ich denke nicht einmal, dass man immer ein System oder Modell braucht, wenn man sich glücklich fühlt. Alles in einem ist es auf den Aphorismus zurückzuführen, dass man einfach loslassen braucht. Klar fühlt man sich sicher mit Idealen, wie Seilen von oben und es ist schon etwas dran, wenn in der Bibel steht, dass man sich nicht bemühen soll den Himmel, den Perfektionismus, erreichen zu wollen. Es ist leichter sich mit solchen Hilfen, den Seilen von oben abseilen zu können, in die Freiheit und immer paar herausragende Steine im Brunnen zu treffen, worauf man sich schließlich stellen kann. So ein Seil hat also paar Hilfen. Was passiert, wenn dieser Stein einbricht und man versucht sich mithilfe des Seils aufrecht zu halten, bekommt Angst vor der Tiefe und setzt große Hoffnungen zum Ideal und versucht dieses wieder zu erreichen. Im Moment der Verzweiflung kommt das Ideal doch wie gerufen, das kann entweder die Weisheit, irgendeine Bullshit-Religion, einfaches Glücklichfühlen etc. sein. Man zappelt, hält sich hilflos an diesem Seil, sieht nach unten, in die Freiheit, in die Zukunft und sieht die Schwärze, die Angst, die Unsicherheit. Seile dich ab in die Freiheit und habe keine Angst vor der Dunkelheit, der Unbestimmtheit, dem fehlenden Licht, denn du definierst und du beleuchtest, vergesse was die Ideale oben und vergesse die Angst unten, steige ab und lerne den Brunnen kennen, bis du merkst, wie kleiner und kleiner er wird. Habe keine Furcht dich deiner Menschlichkeit zu bedienen – Viele unterschiedliche Sätze haben gleiche Bedeutungen und unterschiedliche Interpretationen.
So nachdem wir oberes geklärt haben, sollten wir es auch vergessen, es soll uns nur in Notfällen helfen. Genauso wie das destruktive Ego unser Selbstbewusstsein auf einer Mindestflamme hält. Regeln sollen uns nur in dem seltenen Moment der Unbestimmtheit und Unsicherheit helfen. Falls man unbestimmt ist, sollte man anfangen Entscheidungen zu treffen, Kunst ist das einfachste. Man sollte einen Stil weiterverfolgen. Die Beschreibung des Stils ist natürlich oberflächlich, aber dazu später. Der Weg ist das Ziel. Der Weg ist der Stil. Man kann auch den Stil mit einem Seil in die Freiheit vergleichen, man sollte aber auf jeden Fall loslassen können und etwas Neues ausprobieren. Halte dich nicht an zu vielen Dingen fest, lass dich fallen, du hast genug andere Seile, die dich noch aufhalten werden. Mache dies, du wirst vielleicht Fehler machen, du wirst vielleicht was richtig machen. Du selbst bist nicht dein Stil, ein Stil ist eine Schicht deinerselbst.
Der größte Fehler, den ich und mein Umfeld machen, ist die Angst vor Fehlern ernstzunehmen. Die Angst vor Fehlern könnte auch die große Antriebsfeder unserer Gesellschaft sein. Ich erweitere den Begriff des Fehlers auf den der Lüge und setze den Begriff der Lüge, des Fehlers mit dem Falschen gleich. Je weniger Fehler man möchte, desto ungesünder lebt man doch. Strebt man nach dem Idealismus, so wird man früher oder später depressiv. Strebt man nicht nach ihm, so erreichen die gewünschten Ziele einen selbst. Ich werde folgenden Aphorismus ein wenig deuten: “Willst du Fehler machen, so machst du’s richtig, willst du’s unbedingt richtig machen, so machst du einen Fehler.” Je mehr man sich auf etwas konzentriert und beschäftigt, desto mehr kann man Regeln und Logik darauf anwenden, bis es rund ist. Aber die Welt besteht aus lauter kleinen Fehlern und Lügen. Was wäre die Tiefe ohne die Lügen? Was wären Lügen ohne die Tiefe? Je mehr Regeln man entdeckt, desto glatter und oberflächlicher wird man, bis man zwischen Apfel und Birne nicht unterscheiden kann. Je mehr richtige Sachen es gibt, desto lichtvoller gestaltet man seinen Himmel, den belichteten Teil des Brunnens, du sollst nicht nach ihm streben, viel mehr soll er dir die Tiefe mehr beleuchten. Er soll dich aber auch nicht blind machen. Regeln haben höchstens in der Skizze oder im Notfall etwas zu suchen. Fülle den Rest mit Stil und Emotion. Den Großteil, den wir als richtig verteidigen und für unsere eigene Meinung halten, ist gar nicht von uns. Der Großteil den wir als Kinder für Kunst hielten, war gar nicht von uns. Weder macht die Psychologie den Menschen aus, noch die Physik die Natur, die Absicht die Kommunikation. Hinter jedem Wort verbirgt sich eine Emotion, keine klare Definition, ein Bild. Genauso wie Gedanken nur Interpretationen von Bildern unserer Phantasie sind.
Kurz gesagt: Gestalte deine Stile nicht aus Prinzipien, sondern schau welche Prinzipien du aus dem Lernen aus deinen Stilen extrahieren kannst.