Wenn ich zusammenfassen sollte, was ich in einem halben Jahr durch den Genuss einer tollen Pflanze gelernt habe, dann ist das das Kennenlernen meiner Vergesslichkeit. Folgende Beschreibung versucht dabei die resultierende Wahrnehmungserweiterung, Fantasie, Kindlichkeit und die Selbstsuche damit in Zusammenhang zu bringen und dichterisch zu beschreiben.
Manchmal erkennt man, dass man so vergesslich ist, dass man vergisst welch’ Unmengen an Vorstellungen man vergessen hat, Unmengen, mit welchen man vermutlich ganze Welten gestalten könnte, sicherlich zumindest die eigene. Man kann nicht einmal so schnell schreiben, wie man vergessen kann. Doch in der Vergesslichkeit liegt die besondere Kunst, die weder der professionelle Alleskönner, noch das lernende Kind kennt – Wer all das durch den Alltag summierte und deshalb fest Eingeprägte vergisst, der greift auf die menschlichsten Bedürfnisse und Fantasien zu, die man in der Kunst und Philosophie doch anzustreben vermag: Den Kern des Selbst, den Menschen in seiner höchsten Natürlichkeit, welchen man doch die ganze Zeit zu bändigen versucht, während man nicht einmal richtig weiß, wen man hier doch eigentlich zurückhält. Die verschiedenen Gedanken als anonyme Telegramme mit Wünschen, Meldungen, die man doch zu ordnen versucht. Irgendwann ist man zu faul die Schubladen, die man für diese Briefe gefunden hatte, umzuräumen und kommt zu dem Entschluss der Unlogik dieser Mitteilungen. Obwohl hinter diesen doch verschiedene Absender stecken, summiert man sie als von einem “Anonymus” versendet, dessen Bitten man so befriedigt, dass am wenigsten Beschwerdebriefe aus der Entscheidung resultieren. Ein neues Kennenlernen ist durch die Vergesslichkeit möglich. Wenn ich doch das Empfinden am besten beschreiben sollte, dann wäre dies das Leben eines Kindes oder eines primitiveren Menschen (Höhlengleichnis), der gerade aus seiner Höhle kommt, vollkommen fasziniert ist von der Welt, die auf einmal gesehen wird. Diese ist so groß, so fantastisch, so vielseitig, dass nichts anderes übrig bleibt, als die Gewohnheiten aus der Höhle/dem Kindergarten zu vergessen und die Welt als Neues kennenzulernen.